Kommunikation und Erinnerungsarbeit

Wir gehen davon aus, dass jeder Mensch seine Geschichte (Biografie) und damit verbunden seine individuelle Prägung und Lebensanschauung besitzt. Kenntnisse darüber, speziell bei Demenzerkrankungen können helfen, verlorenen geglaubte Fähigkeiten zu reaktivieren oder in Erinnerung zu rufen. Auch die Beschäftigungsangebote seitens der Betreuungspersonen können dadurch viel differenzierter gestaltet werden und tragen somit dazu bei, dass sich der Betroffene ernst genommen und darüber hinaus wohl fühlen kann.

Leitgedanken zur Kommunikation mit Demenzerkrankten:

  • Keine geschlossenen Fragen Fragen stellen
  • Stellen Sie keine W-Fragen (wer, was, warum, wie)
  • Formulieren Sie Ihre Fragen offen, z. B. „was weißt du noch über…“, „erzähl doch einmal über…“
  • Einfache kurze Sätze bilden
  • Mit Namen anreden
  • Stets Augenkontakt bei der Unterhaltung halten
  • Berühren Sie während des Gespräches Ihren Angehörigen (Hand halten, Arm streicheln…)
  • Zeit zum Antworten geben, nicht drängen oder Sätze selbst beenden
  • Versuchen, Symbole zu deuten (benötigt viel Zeit, Geduld, die Sprache der Demenzerkrankten zu verstehen)

Je mehr von der Biografie bekannt ist, umso besser können Sie diese Sprache verstehen und interpretieren. Grundpfeiler für ein helfendes Gespräch sind EMPATHIE, ECHTHEIT und unbedingte WERTSCHÄTZUNG!

Vermitteln Sie stets RUHE und nehmen Sie sich Zeit für ein Gespräch. Sorgen Sie für eine entspannte Umgebung und passen Sie sich dem Rhythmus des Betroffenen an. Vermitteln Sie Sicherheit durch Beständigkeit und Regelmäßigkeit.

Beispiele für geschmackliches Anregungsmaterial:

  • Obst, je nach Jahreszeit (Äpfel, Birnen, Pflaumen, Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Orangen, etc.)
  • Gemüse, je nach Jahreszeit (Spinal, Feldsalat, Salatgurken, Kohlrabi, Möhren, Rotkohl, etc.)
  • Gebäck (Hefekuchen, Apfelkuchen, Erdbeerkuchen, Weihnachtsgebäck, etc.)
  • Getränke (Fruchtsäfte, Kaffee, Limonade, Tees, Wein, Bier, etc.)
  • Eingemachtes
  • Käse- und Wurstsorten

 Geruchsproben:

  • Gewürze (eventuell schmecken lassen)
  • Kräuter
  • Aromaöle
  • Essig, Tabak, Leder, Mottenkugeln, Bohnerwachs, Schuhcreme, Seife

 Einzelaktivitäten:

  • Körperpflegeartikel ausprobieren lassen (Vaseline auftragen, Franzbranntwein einreiben, eventuell Schminken…)
  • Kleidungsstücke anziehen (Handmuff rundgeben, Hüte aufprobieren)

 Anfassen:

  • Verschiedene Gewebe (Sackleinen, Samt, Seide, Spitze, Leinen, Wolle, Satin, Baumwolle…)
  • Bürstensortiment (Wurzelbürste, Tierbürste, Haarbürste, Schuhbürste…)
  • Papiere (Butterbrotpapier, Karton, Wellpappe, Seidenpapier, Pergament, Büttenpapier, Zeitung…)
  • Stein, Holz
  • Gerätschaften (je nach Thema z.B. Gartengeräte, Küchengeräte…)
  • Schmuck (Perlen, Taschenuhr…)
  • Rosenkranz, Blätter/Blumen, Erde, Schnee, Eis, Kastanien, Murmeln

 Ansehen:

  • Fotos
  • Ansichtskarten
  • Landkarten (mit eingesteckten Nadeln, die die Herkunft der Klienten markieren)
  • Filmausschnitte (lange Spielfilme übersteigen meist die Aufnahmekapazität)

Hören:

  • Naturgeräusche (Bachlauf, Tierstimmen, Wind…)
  • Lieder (Volkslieder, Schlager, Gassenhauer, Kinderlieder, Festlieder, Kirchenlieder…)
  • Tanzmusik (Wiener Walzer, langsamer Walzer…)
  • Instrumentalmusik
  • Oper/Operette/Klassik
  • Märchen, Volksgeschichten/Sagen
  • Gedichte
  • Kurze Zeitungsartikel vorlesen

 Große Aktivitäten:

  • Ausflug (Museum, Cafe, Kneipe, Restaurant, Schifffahrt…)
  • Feste vorbereiten (Kuchen, Torten backen…)
  • Ausstellung organisieren  (z.B. Fotos und Erinnerungen der Klienten…)

Validierende Begleitung

Nehmen Sie Ihren Angehörigen so an wie er ist, lassen Sie ihn in seiner Realität und begleiten Sie ihn dort. Der tatsächliche Gehalt des Gesagten tritt in seiner Bedeutung zurück, der Validierende versucht vielmehr, die „dahinterliegenden“ Gefühle wie Wut, Scham und Trauer zu erfassen und gemeinsam mit dem Betroffenen einen Weg zu finden, die Gefühle auszudrücken.